Das mobile Tonstudio für grenzenlose Kreativität

© Michael Schwettmann
Mit einer Vision für mehr Zugang, Vielfalt und Nachhaltigkeit in der Musikproduktion bricht NOVER Audio Services mit alten Strukturen auf. Die Gründerinnen Kaye und Zuzanna verbinden technisches Know-how mit kulturellem und organisatorischem Feingefühl und bringen professionelle Aufnahmequalität genau dorthin, wo kreative Energie entsteht – ob ins Wohnzimmer, in den Proberaum oder aufs Land. In unserem neuen Start-up-Interview sprechen die beiden Entrepreneurinnen über ihre Idee, ein mobiles Studio mit digitaler Plattform zu kombinieren, geben Einblicke in die besonderen Herausforderungen beim Gründen und erzählen uns, warum sie Musik als menschliches Grundbedürfnis verstehen.
Stellt euch als Gründungsteam doch einmal kurz vor. Wer steckt hinter dem Start-up?
Wir sind Kaye und Zuzanna, zwei Kreative mit unterschiedlichen Wegen, aber einer gemeinsamen Vision: Musikproduktion zugänglich, inklusiv und nachhaltig zu gestalten. Kaye ist Audio Engineer, Musikerin und Producerin mit mehrjähriger Erfahrung in der Musikpraxis vom eigenen Projekt bis hin zur Studioproduktionen anderer Bands, auch in den Niederlanden und in Österreich. Sie kennt die technischen und kreativen Herausforderungen aus erster Hand. Zuzanna ist Kulturmanagerin und Betriebswirtin mit dem Schwerpunkt auf gemeinwohlorientierte Organisationen. Sie bringt das strategische, strukturelle und organisatorische Know-how mit, um Ideen in nachhaltige Prozesse zu übersetzen. Was uns verbindet, ist die tiefe Überzeugung, dass Musik ein menschliches Grundbedürfnis ist, ein Ausdruck von Identität, Teilhabe und Verbundenheit. Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben, ihre Stimme hörbar zu machen; selbstbestimmt, professionell und auf Augenhöhe.
Beschreibt eure Gründungsidee:
NOVER Audio Services ist ein audiotechnisches Start-up, das eine mobile und nachhaltige Recording-Infrastruktur mit einer digitalen Plattform kombiniert. Unsere Vision ist, Musikproduktion für alle barrierefrei zugänglich zu machen. Unser Flagship-Service ist unsere mobile Studioeinheit, die dorthin fährt, wo kreative Energie entsteht, wie zum Beispiel in Proberäume, Kulturorte, ins eigene Wohnzimmer oder aufs Land. So schaffen wir professionelle Aufnahmebedingungen außerhalb klassischer Studiostrukturen. Mit unserer digitalen Plattform, die Buchung, Vorbereitung und Kommunikation vereinfacht, bieten wir smarte Education Tools, klare Abläufe und einen Community-Bereich. Unser Angebot richtet sich besonders an semiprofessionelle Musiker*innen, die in bestehenden Strukturen mit vielen Zugangsbarrieren, wie Zeitmangel, fehlender Infrastruktur, Intransparenz oder mangelnder Branchenkenntnis konfrontiert sind. Wir bieten nicht nur Technik, sondern ein Full-Service-Ökosystem, das Empowerment, Selbstwirksamkeit und Sichtbarkeit fördert. Dabei denken wir Nachhaltigkeit ganzheitlich: ökologisch durch energieeffiziente Technik und mobile Ressourcennutzung und sozial durch faire Bedingungen und inklusive Angebote. Unser Ziel ist es, die Musikproduktion neu zu denken: zugänglich, mutig, gemeinschaftlich.
Wie kamt ihr auf den Gedanken, ein Start-up zu gründen?
Die Idee entstand aus Herausforderungen in unserer eigenen Arbeitspraxis: Viele talentierte Musiker*innen bleiben unsichtbar, weil ihnen der Zugang zu professioneller Infrastruktur fehlt. Genau das wollten wir ändern und mit mobilen Studios die Musiker*innen dort abholen, wo sie stehen. Unser Ziel ist es, ihnen maßgeschneiderten Support zu bieten, damit sie sich musikalisch entfalten und ganz fallen lassen können. Um alles Technische kümmern wir uns, damit der kreative Raum frei bleibt. Ein Wohlfühl-Musikproduktionsnetzwerk zu erschaffen, das ganz ohne Druck funktioniert und für alle zugänglich ist, das gab es so bisher nicht. Und genau daraus wuchs unser Bedürfnis, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wir wollen Aufnahmequalität dorthin bringen, wo sie wirklich gebraucht wird. Schnell wurde jedoch klar, dass es mehr braucht als nur Technik: Wir entwickelten also ein musikalisches Ökosystem mit Full-Service-Angebot. So wurde aus dieser Vision NOVER Audio Services.
Wie ließ sich die Gründung mit dem Studium/dem Beruf vereinbaren?
Mit viel Planung, Herzblut und Club Mate! Gerade wenn Studium oder andere berufliche Verpflichtungen noch parallel laufen, braucht es Disziplin, Willen und Leidenschaft, aber auch die Fähigkeit, Prioritäten flexibel anzupassen, wenn’s mal brennt. To-do-Listen, Projekttools und tägliche Abstimmungen wurden schnell zu unserem Alltag. Wir haben früh entschieden, den Fokus voll auf den Aufbau zu legen und dafür andere Dinge bewusst zurückzustellen. Das war nicht immer einfach, aber absolut richtig. Wir haben alles auf eine Karte gesetzt und auch wenn die Tage lang und die Herausforderungen vielfältig sind, haben wir es bisher nicht einen einzigen Tag bereut. Die Lernkurve ist steil, aber es fühlt sich großartig an, etwas aufzubauen, das wirklich aus dem eigenen Inneren kommt, mit Sinn, Substanz und echtem Drive.
Die WORLDFACTORY bedeutet für uns…
… eine echte Heimat für kreative Köpfe mit Unternehmer*innengeist. Hier treffen Start-ups aus unterschiedlichsten Bereichen aufeinander, was unglaublich inspirierend ist. Der Austausch mit anderen Teams, die ganz eigene Wege gehen, öffnet den Blick und schafft ein starkes Gefühl von „Wir sitzen alle im selben Boot“. Das Netzwerk, das wir durch die WORLDFACTORY aufbauen konnten, ist für uns Gold wert. Unsere Mentorin ist zudem selbst aus der Branche und bringt genau das richtige Maß an Erfahrung, Klarheit und Empathie mit. Wir sind sehr glücklich darüber, bei ihr gelandet zu sein! Besonders schätzen wir auch, dass hier nicht nur wirtschaftlicher Erfolg zählt, sondern gesellschaftliche Wirkung und nachhaltiges Denken genauso ernst genommen werden. Das passt perfekt zu unserem Ansatz. Für uns ist die WORLDFACTORY ein Ort, der fördert, fordert, verbindet und uns hilft, unseren eigenen Weg mutig zu gehen.
Was sind die größten Herausforderungen, auf die man stoßen kann und wie geht man damit um?
Es gibt so viele: Förderanträge, Technikumsetzung, Patentierung, Sichtbarkeit… aber am meisten fordert uns die Balance zwischen Idealismus und Realität. Man startet mit einer großen Vision, aber unterwegs trifft man auf Bürokratie, technische Hürden oder einfach ganz praktische Dinge wie Zeitmanagement und Finanzierung. Wir haben gelernt, dass man nicht alles sofort lösen muss. Schritt für Schritt und mit dem richtigen Netzwerk kommt man voran. Mit der Zeit lernt man, geduldiger zu sein und auch mit Absagen oder Verzögerungen produktiv umzugehen, denn das ist ganz normal und gehört dazu. Es ist ein Auf und Ab (was aber auch seinen Reiz hat). Oder man stellt fest, dass etwas, das man sich theoretisch gut vorgestellt hat, in der Praxis nicht funktioniert. Dann heißt es: anpassen, neu denken, weitermachen. Da hilft es, sich regelmäßig zu erden und kleine Fortschritte wertzuschätzen. Am Ende geht es weniger darum, alles im Griff zu haben, sondern eher darum, beweglich zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen. Jeder Fehler bringt einen weiter und manchmal führen gerade Umwege zu den spannendsten Lösungen.
Was ist das Besondere an eurem Start-up?
NOVER Audio Services vereint technische Innovation mit einem klaren sozialen und ökologischen Anspruch, das macht uns einzigartig. Während viele Recording-Angebote nach wie vor stationär, intransparent und exklusiv sind, setzen wir auf mobile, nachhaltige Studios, die direkt zu den Menschen kommen. Damit senken wir nicht nur räumliche und finanzielle Hürden, sondern begegnen auch strukturellen Ausschlüssen in der Musikproduktion. Wir schaffen einen Safe Space für alle Talente, deren kreative Ausdruckskraft bislang oft unterrepräsentiert ist. Durch niedrigschwellige Tools zur Vorbereitung, transparente Buchungsprozesse und eine Community-Plattform stärken wir nicht nur musikalische Qualität, sondern auch Selbstbewusstsein und Sichtbarkeit. Darüber hinaus denken wir Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch, etwa durch energieeffiziente Technik und grüne Logistik, sondern auch sozial: Wir wollen faire Arbeitsbedingungen in der Branche fördern, neue Rollenmodelle sichtbar machen und langfristig ein inklusives Ökosystem aufbauen.
Wo steht ihr aktuell und was kommt als nächstes?
Aktuell arbeiten wir intensiv an der Entwicklung unseres Prototyps, sowohl technisch für das mobile Studio als auch digital für die Plattform. Parallel bauen wir unser Netzwerk mit Kooperationspartner*innen, Unterstützer*innen und der Community weiter aus. Im nächsten Schritt steht die Pilotphase unseres mobilen Recording-Studios an, bei der wir erste reale Anwendungsszenarien testen und wertvolles Feedback einholen werden. Zudem wurden wir kürzlich für das MusicWorX-Programm in Hamburg ausgewählt, ein spezialisierter Inkubator für die Musikbranche, der uns gezielt bei der Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells und dem Markteintritt unterstützt und im September startet. Darüber freuen wir uns sehr, denn der Austausch mit anderen Musik-Start-ups und die gezielte Branchenförderung sind für uns enorm wertvoll. Besonders stolz sind wir auch auf die Nominierung unter die Top 9 der creativ.projects 2025 durch creative.nrw. Diese Auszeichnung bestätigt uns darin, dass unser Vorhaben gesellschaftlich relevante Impulse setzt, genau an der Schnittstelle von Kultur, Technologie und sozialem Wandel.
Euer Tipp an alle Gründungsinteressierten:
Macht euch klar, warum ihr das tut und für wen. Leidenschaft und Durchhaltevermögen sind wichtig. Nicht alles muss sofort perfekt sein, aber ihr solltet wissen, wohin ihr wollt und welche Werte euch tragen. Haltet eure Vision fest, auch wenn’s mal stürmisch wird, denn das kommt garantiert vor. Und: Sucht euch Menschen, die euch ehrlich spiegeln und motivieren. Habt keine Angst, Fragen zu stellen, euch Feedback einzuholen oder auch mal den Kurs zu korrigieren. Gründen heißt lernen, ständig und auf allen Ebenen. Und zu guter Letzt: Verliert nicht den Spaß. Auch wenn es herausfordernd ist. Ihr gestaltet etwas Eigenes, das es vorher so noch nicht gab. Das ist etwas Besonderes!
